Gnathologischer Arbeitskreis 13. Juli 2005 in Stuttgart
Author: Constanze Polisensky
Dr. Markus Schlee: "Ein praxisrelevantes PA-Konzept"
Dr. Schlee beendete sein Studium 1985 in Würzburg, ist seit 1990 niedergelassen, Spezialist für Parodontologie und Implantologie und Lehrbeauftragter der APW, DGI sowie Dozent an
der Steinbeiß-Universität in Berlin. Im Bestreben nicht nur seiner fachlichen, sondern auch seiner menschlichen Kompetenz Horizont zu halten, arbeitet Dr. Schlee zeitweise an der
Verbrennungsklinik in Kadmandu.
Bei Erwachsenen, welche das 40. Lebensjahr überschritten haben, stellt die parodontale Erkrankung die Hauptursache von Zahnverlust dar. Dass es sich dabei um eine bakterielle
Infektionskrankheit handelt ist unumstritten. Ist sie jedoch commensal oder exogen? Spezifisch, unspezifisch oder opportunistisch? Auch der diskontinuierliche Verlauf dieser
Erkrankung, dem sogenannten "bursts of activity", eng gekoppelt an die individuelle Wirtsreaktion und Immunologie der Patienten, lässt uns Zahnärzte immer wieder an unsere
Grenzen stoßen. Dabei müssen auch die Risikofaktoren wie Rauchen, genetische Disposition (v.a. IL1 Polymorphismus), Diabetes und psychosozialer Streß Beachtung finden.
Wann ist also eine PA-Behandlung noch sinnvoll, und wann greifen wir besser zur Zange und implantieren?
Anhand von klinischen Fällen vermittelt uns Dr. Schlee, dass die Wünsche des Patienten bei der Therapiewahl berücksichtigt werden sollten, auch wenn manche Behandlungen dann
letztendlich nur einen "Versuch" darstellen.
An den unterschiedlichen parodontalen Erkrankungsformen zeigt der Referent seinem Publikum eine wissenschaftlich orientierte Behandlungslogistik mittels animierter Diagramme
auf. Bei vielen Erwachsenen ab dem 30. Lebensjahr manifestiert sich eine chronische Parodontitis, welche mikrobiologisch von einer commensalen Mischflora gekennzeichnet ist.
In der initialen Phase der Therapie dominiert die Arbeit einer Dentalhygienikerin, welche durch Scaling und Wurzelglätten vom Zahnarzt lediglich perfektioniert wird. Nach einer
erfolgreichen Behandlung geht der Patient in die Erhaltungstherapie mit regelmäßigem Recall über. Bei lokaler Therapieresistenz wird in einem zweiten Schritt nach
mikrobiologischer Diagnostik antibiotisch und chirurgisch eingegriffen. Bei den aggressiven Krankheitsbildern dagegen lassen sich vertikale Knocheneinbrüche und
ein aggressives Erregerspektrum diagnostizieren. Auch hier geht der Patient durch eine entsprechende Initialtherapie mit anschließender Reevaluation. An solitären Defekten wird
eine GTR bzw. eine resektive Therapie zur Taschenelimination vorgenommen. Bei der GTR verweist der Referent auf modifizierte Techniken nach Cortellini.
Neben vielen anderen Studien zeigt Dr. Schlee anhand der Wassermann-Studie, dass viele Zähne durch ein rein konservatives Vorgehen durchaus erhalten werden können.
Zum Thema "Plastische Rezessionsdeckung" bietet uns Dr. Schlee einen Einblick in aktuelle Techniken und Materialien. Mit der Möglichkeit, Bindegewebe durch Tunnelierung an Ort und
Stelle zu bringen, werden mittlerweile ästhetisch sehr gute Ergebnisse erzielt. Das von ihm dabei verwendete Material ist die sogenannte Tutomembran (Tutoplast). Diese wird aus
bovinem Perikard hergestellt, ist steril, fibroinduktiv, nicht infektiös, löst keine Immunreaktionen aus und weist eine 3D-Kollagebstruktur auf. Die Voraussetzung für einen
Therapieerfolg ist allerdings eine vollständige Bedeckung dieser Membran mit Bindegewebe.
Die Deckung sowohl singulärer als auch multipler Rezessionen können mit Modifikationen nach Zuchelli, Hamm, Neuberger und Brückner beherrscht werden.
Source: Kurzbericht Gnathologischer Arbeitskreis Stuttgart, 2005